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Studium finanzieren mit BAföG: So funktioniert’s

Studieren kann teuer sein.  Miete, Semesterbeitrag, Bücher, Laptop, vielleicht noch ein Kaffee zwischendurch. Kein Wunder, dass viele Studierende neben dem Studium jobben oder Unterstützung von zu...

BAföG: Das solltest du unbedingt wissen
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Studieren kann teuer sein.  Miete, Semesterbeitrag, Bücher, Laptop, vielleicht noch ein Kaffee zwischendurch. Kein Wunder, dass viele Studierende neben dem Studium jobben oder Unterstützung von zu Hause brauchen. Doch was viele unterschätzen: Der Staat greift unter bestimmten Voraussetzungen unter die Arme – mit BAföG.

Viele winken bei dem Thema vorschnell ab: „Meine Eltern verdienen zu viel“, „Der Antrag ist doch viel zu kompliziert“, „Ich will mich nicht verschulden“… und verpassen dadurch eine Förderung, die im besten Fall mehrere Hundert Euro pro Monat bringen kann. Zur Hälfte bekommst du es sogar geschenkt!

In diesem Artikel klären wir: Wer bekommt BAföG, wie viel kann man erhalten, und warum sich ein genauer Blick fast immer lohnt – selbst wenn man denkt, man sei „raus“. Spoiler: Es gibt mehr Möglichkeiten, als viele glauben.

Was ist BAföG eigentlich genau?

BAföG – das klingt erstmal nach Behördendeutsch, Paragrafen und Formularen. Doch dahinter steckt ein einfaches Prinzip: Der Staat unterstützt junge Menschen finanziell, damit ein Studium oder eine Ausbildung nicht am Geld scheitert.

BAföG steht für das Bundesausbildungsförderungsgesetz . Ein sperriger Name für ein eigentlich sehr faires Konzept. Es soll allen – unabhängig vom Geldbeutel der Eltern – ermöglichen, eine schulische oder akademische Ausbildung zu machen. Die Förderung richtet sich dabei nicht nur an Studierende, sondern auch an Schüler:innen bestimmter Schulformen (z. B. Berufsoberschulen oder Fachschulen).

BAföG ist keine klassische Sozialleistung, sondern eine Investition in Bildung. Wer BAföG bekommt, muss nur einen Teil der Förderung zurückzahlen – meist höchstens die Hälfte, zinsfrei und in kleinen Raten. Den Rest gibt’s geschenkt.

Übrigens: Anders als bei einem Studienkredit geht es beim BAföG nicht um Bonität oder Sicherheiten, sondern um Bedürftigkeit – also darum, ob man selbst und die Eltern genug Geld für das Studium haben oder nicht. Das heißt auch: Selbst wenn die Eltern ein „normales“ Einkommen haben, kann BAföG drin sein.

Wer hat Anspruch auf BAföG?

Ob man BAföG bekommt oder nicht, hängt von mehreren Faktoren ab. Die gute Nachricht: Der Kreis der Anspruchsberechtigten ist größer, als viele denken. Hier die wichtigsten Voraussetzungen im Überblick:

1. Du machst eine förderfähige Ausbildung, in der Regel betrifft das:

  • ein Erststudium an einer Hochschule (auch duale Studiengänge),
  • ein Studium an einer Fachhochschule oder Universität,
  • bestimmte schulische Ausbildungen (z. B. Berufsfachschulen, Fachoberschulen).
  • Zweitstudiengänge, Promotionsstudiengänge oder Teilzeitstudiengänge sind nicht automatisch ausgeschlossen, aber oft schwieriger zu fördern. Es lohnt sich, das im Einzelfall zu prüfen.

2. Du bist (in der Regel) unter 45 Jahre alt

Für ein Bachelorstudium liegt die Altersgrenze bei 45 Jahren (Stand: 2024). Für den Master gilt das ebenfalls, es sei denn, man hat den Bachelor direkt im Anschluss gemacht. Ausnahmen gibt’s zum Beispiel bei:

  • späten Bildungswegen (z. B. nach Familienpause),
  • Behinderung oder Krankheit,
  • nach dem Wehr- oder Freiwilligendienst.

3. Du bist Deutscher – oder gleichgestellt

BAföG gibt’s nicht nur für deutsche Staatsangehörige. Auch EU-Bürger:innen oder Menschen mit bestimmten Aufenthaltsstatus (z. B. Geflüchtete, anerkannte Asylsuchende, Langzeitaufenthalt) können Anspruch haben – allerdings mit zusätzlichen Bedingungen, wie einem dauerhaften Aufenthalt in Deutschland oder bestimmten Voraufenthaltszeiten.

4. Die finanzielle Situation passt

Der wohl bekannteste Punkt: Das Einkommen der Eltern spielt eine große Rolle. Je weniger die Eltern verdienen, desto höher fällt der BAföG-Satz aus. Dabei zählen auch das eigene Einkommen und Vermögen mit. ABER: Es gibt Freibeträge (z. B. für Geschwister), delbst verdientes Einkommen bleibt bis zu einer Grenze anrechnungsfrei und unter bestimmten Umständen gibt es elternunabhängiges BAföG (z. B. nach 5 Jahren Berufstätigkeit nach einer Ausbildung).

Tipp: Selbst wenn du denkst, dass deine Eltern „zu viel“ verdienen – ein Antrag kann sich trotzdem lohnen, gerade wenn du Geschwister hast oder deine Eltern dich nicht (mehr) unterstützen.

Wie viel BAföG bekommt man?

Die Höhe der BAföG-Förderung ist von Person zu Person unterschiedlich. Sie hängt von mehreren Faktoren ab – vor allem vom Einkommen der Eltern, aber auch von deiner Wohnsituation, deinem eigenen Einkommen und eventuellem Vermögen. Du musst nicht alles selbst ausrechnen. Dafür gibt es Online-Rechner und Beratungsstellen.

Der aktuelle Höchstsatz (Stand 2024/2025)

Wenn du alle Voraussetzungen erfüllst und keinerlei Einkommen angerechnet wird, kannst du aktuell bis zu 934 € monatlich bekommen. Dieser Betrag setzt sich so zusammen:

  • Grundbedarf: 452 €
  • Wohnzuschlag: Das sind 59 € für Wohnen bei den Eltern, oder 420 € bei einer eigenen Wohnung
  • Zuschlag für Kranken-versicherung (für gesetzlich Versicherte: 120 €
  • Pflegeversicherung (für gesetzlich Versicherte): 51 €
  • Zuschläge für Kinder (wenn du eigene Kinder hast): je 160 €

Wie wird der individuelle Satz berechnet?

Der BAföG-Satz wird nicht pauschal, sondern bedarfsabhängig berechnet. Dabei zieht das BAföG-Amt mögliche Einkünfte deiner Eltern sowie dein eigenes Einkommen und Vermögen ab – nach Abzug großzügiger Freibeträge. Die wichtigsten Eckdaten:

  • Freibetrag für das Elterneinkommen: z. B. ca. 2.415 € monatlich netto bei einem Elternteil ohne weitere Kinder (steigt bei mehreren Kindern)
  • Eigener Freibetrag beim Einkommen: 520 € monatlich (z. B. aus Minijob) bleiben anrechnungsfrei
  • Vermögensfreibetrag: ca. 15.000 € (unter 30 Jahre) bzw. 45.000 € (ab 30 Jahre)

Alles, was über diese Freibeträge hinausgeht, wird anteilig vom Bedarf abgezogen.

BAföG beantragen – So geht’s

Der BAföG-Antrag hat den Ruf, kompliziert und bürokratisch zu sein – aber keine Sorge: Mit etwas Vorbereitung und Geduld ist der Antrag gut machbar. Und das Beste: Du musst ihn nicht mal mehr in Papierform ausfüllen, sondern kannst alles digital erledigen. Hier kommt eine Schritt-für-Schritt-Anleitung:

1. Antrag stellen – am besten online

Der einfachste Weg führt über das Portal BAföG-Digital. Dort kannst du: alle Formulare direkt online ausfüllen, Unterlagen hochladen, deinen Antrag zwischenspeichern und später weiter bearbeiten, und sogar digital unterschreiben.

Du kannst den Antrag auch „formlos“ stellen. Das bedeutet, dass du erstmal nur ein kurzes Schreiben einreichst, mit dem du deutlich machst, dass du BAföG beantragen willst. Das sichert dir den Zeitpunkt und du kannst die restlichen Unterlagen nachreichen.

2. Diese Unterlagen brauchst du

Damit der Antrag bearbeitet werden kann, brauchst du u. a.:

  • Formblatt 1: Persönliche Angaben (wird automatisch ausgefüllt im Portal)
  • Formblatt 3: Einkommensnachweis deiner Eltern (je Elternteil)
  • Nachweis über deine Mietkosten (z. B. Mietvertrag)
  • Krankenversicherungsnachweis (bei gesetzlich Versicherten z. B. per App deiner Kasse)
  • Immatrikulationsbescheinigung (gibt’s im Uni-Portal)
  • ggf. Nachweise über eigenes Einkommen und Vermögen

Viele Probleme entstehen dadurch, dass Unterlagen fehlen. Lieber etwas zu viel als zu wenig einreichen und frühzeitig!

3. Fristen beachten!

BAföG wird grundsätzlich erst ab dem Monat gezahlt, in dem du den Antrag stellst. Wenn du also im Oktober dein Studium beginnst, solltest du den Antrag spätestens im Oktober einreichen – am besten natürlich früher.

  • Erstantrag: so früh wie möglich, idealerweise 2–3 Monate vor Semesterstart
  • Wiederholungsantrag (nach 12 Monaten): spätestens 2 Monate vor Ablauf des Förderzeitraums

Wenn du beim Antrag unsicher bist: Die BAföG-Beratung der Studierendenwerke hilft kostenlos weiter. Viele Unis bieten auch eine Sozialberatung an. Nutze das ! Es spart Zeit, Nerven und im besten Fall bares Geld.

Rückzahlung: Muss ich das alles zurückzahlen?

BAföG ist kein Geschenk ohne Bedingungen – aber auch keine klassische Schuldenfalle. Die Rückzahlung ist fair geregelt, zinsfrei und im Vergleich zu Studienkrediten deutlich günstiger. Viele wissen gar nicht, dass höchstens die Hälfte der Förderung zurückgezahlt werden muss – und das auch nur unter bestimmten Bedingungen.

Wie viel muss man zurückzahlen?

Du musst nur den Darlehensanteil zurückzahlen, also maximal 50 % der gesamten Förderung. Der Rückzahlungsbetrag ist gedeckelt auf 10.010 € – auch wenn du über Jahre hinweg mehr bekommen hast. Die andere Hälfte ist geschenkt. BAföG ist eine staatliche Förderung, kein Kredit.

Wann beginnt die Rückzahlung?

Fünf Jahre nach Ende der Förderungshöchstdauer (meist Ende des Studiums) bekommst du Post vom Bundesverwaltungsamt. Du kannst die Rückzahlung dann:

  • auf einmal leisten (mit Rabatt),
  • in monatlichen Raten (meist 130 €),
  • oder bei niedrigem Einkommen sogar stunden bzw. aussetzen lassen.

Was, wenn ich (zu) wenig verdiene?

Die Rückzahlung ist an dein Einkommen gekoppelt. Wenn du unter einer bestimmten Einkommensgrenze liegst (derzeit rund 1.600 € netto/Monat), kannst du:
eine Freistellung beantragen, oder geringere Raten zahlen. Niemand muss sich verschulden, nur weil das Gehalt nach dem Studium (noch) nicht reicht.

Bonus für Schnellstudierende & Gute Noten

Wer besonders schnell oder mit sehr guten Noten abschließt, kann einen Teilerlass erhalten. Es gibt bis zu 50 % Rabatt auf den Darlehensanteil bei Top-Leistungen (z. B. unter den besten 30 % des Abschlussjahrgangs), oder bei besonders zügigem Studienabschluss. Das kann sich richtig lohnen – also ein zusätzlicher Anreiz für Motivation im Studium.

Die Rückzahlung ist machbar, planbar und fair. Und durch die Deckelung bleibt die Förderung attraktiv – auch für alle, die etwas vorsichtiger mit Schulden umgehen möchten.

Häufige Missverständnisse & BAföG-Mythen

Rund um BAföG kursieren viele Gerüchte und Vorurteile und leider halten sie viele davon ab, überhaupt einen Antrag zu stellen. Dabei ist oft mehr drin, als man denkt. Zeit also, mit den größten Mythen aufzuräumen:

„Meine Eltern verdienen zu viel – ich krieg eh nix.“

Der wohl häufigste Satz und leider oft falsch. Es gibt Freibeträge, Abzüge für Geschwister oder spezielle Regelungen (z. B. elternunabhängiges BAföG), die das Einkommen relativieren. Außerdem gilt: Ein Antrag kostet dich nichts, aber könnte dir mehrere Tausend Euro bringen. Tipp: BAföG-Rechner nutzen oder einfach mal einen Antrag stellen. Besser zu viel geprüft als Geld verschenkt.

„Ich will mich nicht verschulden.“

Verständlich – aber BAföG ist kein klassischer Kredit. Du zahlst höchstens 10.010 € zurück, komplett zinsfrei, und nur, wenn du genug verdienst. Wer gar nicht oder wenig verdient, zahlt entsprechend weniger – oder wird freigestellt. Und: Die Hälfte der Förderung musst du gar nicht zurückzahlen.

„Der Antrag ist zu kompliziert.“

Er ist umfangreich, ja – aber keine unlösbare Aufgabe. Mit BAföG-Digital, einer guten Anleitung und ggf. Hilfe durch die BAföG-Beratung der Studierendenwerke wird der Antrag deutlich einfacher. Nach deinem Erstantrag musst du nur einmal im Jahr einen Folgeantrag machen.

„Ich studiere im Ausland – da gibt’s kein BAföG.“

Falsch! Für Auslandssemester (z. B. im Rahmen von Erasmus oder eigenen Programmen) gibt es sogar spezielles Auslands-BAföG – inklusive Reisekosten, Studiengebühren und Zuschlägen. Es gelten etwas andere Regelungen, aber der Antrag lohnt sich häufig gerade im Ausland.

„Ich habe keinen deutschen Pass – ich kann kein BAföG bekommen.“

Auch das stimmt so nicht. Auch EU-Bürger:innen, Geflüchtete oder Menschen mit bestimmten Aufenthaltsstatus können Anspruch haben – oft abhängig von der Dauer des Aufenthalts oder einer bisherigen Berufstätigkeit in Deutschland. Einzelfallprüfung lohnt sich.

Du solltest nicht vorschnell aufgeben oder dich selbst ausschließen. Informiere dich, stell einen Antrag und vielleicht kannst du dich über mehrere Hundert Euro Förderung im Monat freuen. Mehr als das dein Antrag abgelehnt wird, kann dir nicht passieren.

BAföG ist eine Chance

BAföG ist mehr als nur ein bürokratischer Hürdenlauf. Es ist eine echte Chance, das Studium unabhängiger, entspannter und selbstbestimmter zu gestalten. Ob als monatlicher Zuschuss zur Miete, als Teilfinanzierung deines Auslandssemesters oder als Absicherung, damit du nicht drei Nebenjobs gleichzeitig jonglieren musst: Jede Unterstützung zählt.

Selbst wenn du am Ende nur einen kleinen Betrag bekommst oder knapp rausfällst, hast du nichts verloren – aber im besten Fall viel gewonnen. Und wer es bekommt, profitiert gleich doppelt: von der monatlichen Entlastung im Studium und von der milden Rückzahlungskondition danach.

Nützliche Links & Tools

Hier geht es zum Online-Antrag: BAföG Digital
Hier kannst du dein BAföG ausrechen: BAföG-Rechner (Studis Online)
Hier bekommst du alle Infos zu BAföG im Ausland: Infos zu Auslands-BAföG

Über die RedaktionMS RedaktionOrientierung, Wissen und praktische Tipps für dein Studium. Unser Team
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